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DieDer Wochenspiegel berichtet in seiner Ausgabe vom 30.04.2009

Bündnis gegen Rechts ist mit Ausstellung und Aktionstag präsent

Noch bis zum 9. Mai ist in der Meininger Volkshochschule in der Klostergasse die Wanderausstellung "Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland" zu sehen.

Das Meininger Bündnis gegen Rechts, das die Ausstellung ermöglichte und sich Landrat Ralf Luther als Schirmherr ins Boot holte, plant nun eine weitere Aktion: Am 8. Mai wird es in der Kreisstadt einen Aktionstag für Demokratie und Toleranz geben.
Zur Eröffnung der Wanderausstellung im April hatten sich die Organisatoren unter anderem Überlebende aus Konzentrationslagern eingeladen und eine Diskussion mit den Zeitzeugen ermöglicht. Der Hintergrund der Ausstellung selbst ist die Tatsache, dass das Bundesministerium im Zeitraum seit der Wende lediglich 24 Opfer rechter Gewalt erfasst und anerkannt hatte, während kritische Journalisten in überregionalen Zeitungen eine Liste mit insgesamt 93 Todesopfern rechtsmotivierter Übergriffe recherchiert hatten. Die Medienleute veröffentlichten im Jahr 2000 erstmals in zwei deutschen Tageszeitungen ihre Nachforschungen.
Rebecca Forner nahm die Nachforschungen zum Anlass, selbst weiter zu recherchieren. Bis 2005 zählte sie 136 Todesofer, die in der Ausstellung durch je eine Ausstellungsfahne präsent sind, die das Wüten brutaler Gewalttäter aufzeigt gegen Menschen, die nach der völkisch-rassistischen Ideologie rechtsextremer Gruppierungen nicht zur deutschen Volksgemeinschaft gehören.
Vor allem Schulklassen sollen angesprochen werden, um ihren Geschichtsunterricht authentisch und gefühlsbetont zu bereichern. Das Meininger Bündnis gegen Rechts hat die Opfer-Ausstellung, die der Potsdamer Verein Opferperspektive betreut, in die Theaterstadt geholt, um "wider das Vergessen" gerade im Wahljahr recht drastisch und einprägsam auf die rechte Szene aufmerksam zu machen.
Forner nahm in ihre Liste dabei nicht nur Fälle auf, die die Tageszeitungen auf Grund eigener Recherchen, den Berichten der Polizei, der Anklagen der Staatsanwaltschaft oder der Urteile von Gerichten als Taten mit eindeutigem rechtsextremistischen Hintergrund einschätzten.
Vielmehr seien die Listen unvollständig, so die Künstlerin. Es gebe viele Zweifelsfälle und die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte noch höher liegen. Sie habe zusätzlich Todesfälle berücksichtigt, bei denen die Täter nachweislich einem rechten Milieu zugeordnet werden konnten und ein anderes Motiv nicht erkennbar war. Auch wurden Fälle aufgenommen, in denen die Töter nicht der rechten Szene angehörten, ihr Motiv aber von einem rechten Weltbild geprägt war, so Rebecca Forner in einer Hintergrundinformation.
Die nächste Aktion des Bündnisses gegen Rechts wird die einstige "Rock gegen Rechts"-Veranstaltung sein, die im vorigen Jahr Premiere hatte. Die Namensänderung wurde nötig, da nunmehr auch Informationsstände von Vereinen und Institutionen sowie Redebeiträge von Kunst bis Kultur am Start sind.
So beginnt der Aktionstag um 15 Uhr in der Meininger Volkshochschule mit einem Tucholsky-Programm. Kathrin Vitzthum und Thomas Ritschel gestalten den Nachmittag in enger Zusammenarbeit mit dem Mobilen Beratungsteam in Thüringen (MOBIT).
18 Uhr fällt auf dem Marstall-Innenhof der Startschuss für die musikalische Seite. Sechs Bands haben ihr Kommen bereits zugesagt, Zu hören sein werden "Vitamin Bier" aus Hildburghausen, die Schulband des Meininger Gymnasiums "Adrenalin", die Band des Meiningers Henry Nahrstedt "F.C.S.", "Azeton" und "Blockpost" aus Meiningen sowie "Helena" aus Hildburghausen. Nicht nur für geistige Genüsse sei gesorgt, sondern ebenso für kulinarische. Cordula Dörges Al-Kassab von SMINT (Schmalkalden-Meiningen-Integration) verspricht thailändisches, chinesisches und indisches Essen und damit eine kulinarische Weltreise, eingebracht von den Meininger Gastronomen mit Migrationshintergrund, wie sie im offiziellen Sprachgebrauch betitelt werden. "Doch auch auf das heimische Bier muss niemand verzichten", so Fabian Giesder schmunzelnd.
Gegen 22 Uhr folgt dann eine weitere Attraktion: Serdar Somuncu, der Kabarettist und Comedian tritt auf. Somuncu habe auf einen großen Teil seiner Gage verzichtet, teilten die Organisatoren mit. So sei sowohl diese Veranstaltung wie der Aktionstag für Demokratie und Toleranz selbst kostenlos für die Besucher.
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Der Landrat des Landkreises Schmalkalden-Meiningen hat die Schirmherrschaft über den Aktionstag übernommen und 2000 Euro zur Förderung der Veranstaltung übergeben.
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