| Die Schwierigkeiten der Soko Rex |
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12. Juni 2012 – Meininger Tageblatt
Beim Untersuchungsausschuss
zum Rechtsterror
wird deutlich, mit welchen
Problemen sich die Polizei
bei der Aufklärung von
Neonazi-Strukturen
herumschlug.
Von Eike Kellermann
Erfurt – Der gebürtige Suhler Günther
Holland leitete Mitte der 1990er Jahre
in Thüringen die Sonderkommission
Rechtsextremismus, kurz Soko Rex.
Hollands Eltern waren zu DDR-Zeiten
in den Westen gegangen. Der Sohn
trat 1968 in den Polizeidienst in Baden-Württemberg ein. 1993 nutzte er
die Chance zur Rückkehr, als im Erfurter
Landeskriminalamt (LKA) Leute
gesucht wurden.
Holland war kein Experte für
Rechtsextremismus, stattdessen führte
er unter anderem umfangreiche Ermittlungen
zum Zwangsdoping in der
DDR. Dass man ihm trotzdem die Leitung
der Soko Rex übertrug, mag der
damaligen Zeit geschuldet sein, ist
aber schon eine Merkwürdigkeit.
Mitte der 1990er Jahre wurde die Neonazi-
Szene in Thüringen immer aggressiver,
so dass das LKA Ermittlungen
wegen der Bildung einer kriminellen
Vereinigung aufnahm.
Der 62-jährige Holland berichtete
gestern vor dem Landtags-Untersuchungsausschuss
zum Rechtsterror,
dass 15 bis 18 Beamte in der Soko tätig
waren. Allerdings erfreute sich die
Sonderkommission nicht unbedingt
großer Wertschätzung. Laut Holland
wurde etwa ein Verkehrspolizist zu
den Sonderermittlern abgestellt, ein
anderer Beamter sei nicht einmal in
der Lage gewesen, halbwegs fehlerfrei
einen Bericht zu schreiben. Forderungen
nach mehr Personal wurden regelmäßig
abgeschmettert.
Holland vermutet eher Unfähigkeit
bei den Vorgesetzten als den Versuch,
die Ermittlungen gezielt zu behindern.
Trotz der Schwierigkeiten blieben
die Ermittler nicht ohne Erfolg:
Zwei Drittel der rund 80 bearbeiteten
Straftaten seien aufgeklärt worden.
Das wichtigste Verfahren freilich, das
wegen der Bildung einer kriminellen
Vereinigung, wurde von der Staatsanwaltschaft
Gera eingestellt. Über die
Staatsanwaltschaft ärgerte sich auch
Klaus-Dieter Isselt, der frühere Staatsschutz-Chef in Saalfeld, einer Hochburg
der Rechten. „Bringen sie mir einen
schönen Raub“,
habe der Staatsanwalt
verlangt, dann sperre er
die beteiligten Neonazis
ein. Landfriedensbruch
oder schwere Körperverletzung
würden dagegen
nicht reichen.
Wie Günther Holland
vor dem Ausschuss berichtete,
wurde die Soko
Rex im Herbst 1996
ohne Begründung aufgelöst
– als die Neonazi-Szene mit dem Thüringer
Heimatschutz als Speerspitze immer
militanter wurde. Der damalige
LKA-Chef Uwe Kranz sprach bei der
vorigen Ausschusssitzung von einem
„nie enden wollenden Aufrüsten“.
Zum harten Kern hätten die drei Neonazis
Böhnhardt, Mundlos und
Zschäpe gehört, die später
mutmaßlich den „Nationalsozialistischen
Untergrund“
(NSU) bildeten,
dem zahlreiche Morde an
Ausländern und Raubüberfälle
auf Banken zur
Last gelegt werden.
Soko-Chef Holland hat
Böhnhardt selbst einmal
vernommen. Er erlebte
ihn als innerlich verrohten
und brutalen jungen
Mann. Aber Morde hätte
er ihm, wie er heute einräumt,
nicht zugetraut. Könnte die
Auflösung der Soko Rex und das Verstreuen
der dort gesammelten Informationen
zum Entstehen des Terror-Trios beigetragen haben, wurde Holland
vom Ausschuss gefragt. Seine
Antwort war knapp: „Ja.“
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